HAUS SEEDORN – SOMMERDOMIZIL EINES NOBELPREISTRÄGERS

Nachdem ihm Hiddensee so sehr ans Herz gewachsen war, dass er seit 1885 fast jedes Jahr einige Wochen hier verbrachte, erwarb Gerhart Hauptmann 1930 das Haus Seedorn. Bis zu seinem letzten Aufenthalt auf Hiddensee im Jahre 1943 arbeitete der Schriftsteller hier fast jeden Sommer. Hauptmann, der bei den Hid- denseern als hochmütig galt, zog zahlreiche Bekannte und Freunde, vor allem Künstler, auf die Insel. Regelmäßig veranstaltete er abends philosophische Gesprächsrunden, nachdem er tagsüber Hiddensee mit seinem Notizbuch in der Hand durchstreift und sein nachmittägliches Arbeitspensum erledigt hatte.

Der alte Teil von Haus Seedorn

Der alte Teil von Haus Seedorn

Nach seinem Tod (1946) wurde das Haus 1956 in seinem ursprünglichen Zustand ais Gedenkstätte der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bereits auf dem Weg durch den Vorgarten zum Haus informieren drei Vitrinen den Besucher anschaulich über biografische Fakten, den Rang des Schriftstellers -1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur – und seine Rezeption im deutschsprachigen Theater. In der Veranda finden sich Erstdrucke der Werke Hauptmanns, Zeugnisse von Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten – 1924 verbrachte Thomas Mann gemeinsam mit ihm einige Zeit im Haus am Meer (heute Vogelwarte) und arbeitete an seinem »Zauberberg« – sowie Ausschnitte aus den Reden Wilhelm Piecks, Sergej I. Tjulpanows und Johannes R. Bechers am Grab des Dichters.

Von der Veranda gelangt man in die Diele und den Wohnbereich Margaretes, der Frau Hauptmanns. Das Abendzimmer, ein »kleiner, intimer Raum, gehörte der Geselligkeit. Ein köstlicher Genuss war es jedesmal, wenn Hauptmann aus seinem Leben oder über das Entstehen seiner Werke erzählte, oder gar in seiner dramatischen Vortragskunst aus irgendeinem noch unveröffentlichten Manuskript vorlas. Da Hauptmann gern einem guten Wein zusprach, dehnten sich diese Symposien oft bis weit nach Mitternacht aus und wurden bisweilen auch wohl einmal dionysisch übersteigert.« (Arnold Gustavs, Pfarrer der Insel). Einen Einblick in die Arbeitsatmosphäre vermittelt der letzte große Raum mit Schreibtisch, Stehpult und dem großen Bücherregal. Hauptmann reiste stets mit einigen Bücherkisten, so dass der Literaturbestand in dem Haus auf Hiddensee ständig wechselte.

Im Vergleich zum Arbeitszimmer wirkt das Schlafzimmer des Dichters, das von der Diele aus über eine kleine Treppe zu erreichen ist, eher eng. Über die geselligen Abende in seinem Haus sagte der Dichter laut Gustavs wohl einmal, »er müsse auf diese Weise einen Schleier über den Tag ziehen, damit ihn die Gestalten desselben nicht noch im Traume bedrängten«. Wie sehr ihn dennoch seine Arbeit kontinuierlich beschäftigte, bezeugen indes die Kritzeleien an der Wand über dem Bett, mit denen er kurze Eingebungen der Nacht oder des Halbschlafs festhielt. Haus Seedorn: Kloster, Kirchweg, April-Okt. 10-17 Uhr, im Winter laut Aushang.

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