Hiddensee 2

Kloster

Hiddensee-Atlas: S. 232, B 2 Kloster ist der bedeutendste Ort und kulturelles Zentrum der Insel. Es war der Sitz des Zisterzienserordens, der vom 13. bis 16. Jh. die Insel beherrschte. Man schätzt, dass auf Hiddensee etwa zwölf Mönche nebst einigen Laienbrüdern lebten. Die Zisterzienser spielten eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung des Ackerbaus auf der Insel. Nach der Reformation wurden die Ländereien auf Hiddensee von einem herzoglichen Rentmeister verwaltet, das Kloster verfiel und wurde im Dreißigjährigen Krieg vollends zerstört.

Gleich am Ortseingang in Strandnähe befindet sich in einem kleinen Haus das Heimatmuseum. Hier kann man nicht nur die Geschichte der Insel studieren, sondern auch seine ornitho- logischen Kenntnisse prüfen. Zu den Kostbarkeiten des Hauses gehören Feuersteinwerkzeuge und eine verklei-nerte Nachbildung des Hiddenseer Goldschatzes, dessen 596 g schweres Original sich im Besitz des Stral- sunder Historischen Museums befindet. Er gilt als besonders kostbares Beispiel wikingischer Goldschmiedekunst des 10. oder frühen 11. Jh. und wurde nach den Sturmfluten der Jahre 1872 und 1874 am Neuendorfer Strand gefunden. Der Auftraggeber hatte wohlbereits den christlichen Glauben angenommen, wollte aber offenbar auf die alte heidnisch-religiöse Symbolik (Thorhammer) nicht verzichten. Die Gold- und Edelschmiede, in der die Stücke gefertigt wurden, stand vermutlich in Haithabu bei Schleswig (Kirchweg April-Okt. 10-16, Nov.-März Fr-Sa 11-15 Uhr).

Weiter in Richtung Ortskern liegt linker Hand das 1920 erbaute Haus Seedorn, in dem sich die Gerhart-Haupt- mann-Gedenkstätte befindet. Schon beim ersten Aufenthalt im Jahre 1885 »verflocht sich Hiddensee unlöslich« mit dem Schicksal des späteren Nobelpreisträgers. Hier begann der Dra-matiker sein Stück »Schluck und Jau«, schrieb aber auch Gedichte und Prosa (s. rechts). Ebenfalls ein Treffpunkt für die Künstlerwelt, vor allem in den 1920er Jahren, war die schlossartige, mit Jugendstilelementen versehene Lietzenburg etwas oberhalb des Ortes. Sie wurde 1904 von dem Maler Oskar Kruse erbaut und später von der Witwe seines Bruders, Käthe Kruse, der berühmten »Puppenkäthe«, übernommen. Nicht zuletzt der Kontakt der Maler, Schriftsteller, Wissenschaftler und Filmschaffenden untereinander war in den 20er Jahren neben der Erholung ein wichtiges Motiv für die Besuche der Prominenz. »Etwas verdrießlich« fand allerdings Katja Mann ihren Aufenthalt auf der Insel, denn Hauptmann war »dermaßen eindeutiger König, dass für uns dort wenig Aufmerksamkeit abfiel, … bekamen sehr mäßiges Essen, wohingegen Hauptmann köstliche Speisen auf die Zimmer hinaufgetragen wurden«.

Ebenfalls an der Hauptstraße im Ortskern liegt die einst als Paur-Kirche (Bauernkirche) vor den Mauern des Klosters errichtete Inselkirche. 1332 eingeweiht, wurde sie 1781 grundlegend renoviert. Der vornehmlich in Weiß und Blau gehaltene, einschiffige Innenraum erweckt einen ausgesprochen heiteren Eindruck. Ungewöhnlich ist nicht nur die mit Sanddornmotiven bemalte Holzdecke, die 1921/22 von N. Niemeier nach der Überlieferung ge-staltet wurde, sondern auch der Kanzelaltar, dessen Korb aus dem 17. Jh. stammt. Links davon hängt die Grabplatte des Abtes Runenberg, der im 15. Jh. dem Kloster Vorstand. Das Kruzifix über der Eingangstür stammt noch aus dem 14. Jh. Der etwas plump wirkende Taufengel aus Lindenholz aus der ersten Hälfte des 18. Jh. wurde früher beim Taufakt herabgelassen.

Beachtenswert ist auch der Inselfriedhof um die Kirche mit den etwa 60 alten Grabwangen, die größtenteils mit Hausmarken (s. S. 47) – zum Teil ohne weitere Angaben – und mit verschiedenen Schmuckmotiven versehen sind. Die Hausmarken dienen auf Hiddensee – allerdings nicht in Kloster selbst – heute noch ihrem ursprünglichen Zweck. Im neueren Teil des Friedhofs hinter der Kirche befindet sich auf der linken Seite das Grab Gerhart Hauptmanns, der hier 1946 im Beisein des späteren Staatspräsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, beigesetzt wurde.

Das Rundbogentor oberhalb des Hafens gehörte nicht zum Kloster, sondern wurde viel später aus den umherliegenden Ziegeln der Ruinen als Teil einer Gutshofanlage, des »Kloster- Hoffs«, erbaut.

leuchtturm-dornbusch-auf-hiddensee

Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee

Der Dornbusch

Hiddensee-Atlas: S 232, B 2 Von Kloster aus führt in nördlicher Richtung einer der Fuß- und Fahrradwege über Grieben (slawisch grib= Pilz), das älteste Dorf der Insel mit seinen uralten Feldsteinmauern aus der Slawenzeit, und um den Dornbusch, der mit seinem 72,5 m hohen Schluck-wieksberg die höchste Erhebung des Eilandes aufweist. Leider haben in den letzten Jahren zu viele Touristen die Vorschriften missachtet und neue Pfade in das sensible Naturgefüge getreten, so dass die Nationalparkverwaltung Zäune errichten musste. Es lohnt sich jedoch, des öfteren am Wegesrand innezuhalten und den Blick über den Hang mit den Farbflecken von Sanddorn, Wildrosen, Stechginsterbüschen, Königskerzen und Grasnelken auf die lang gestreckte Insel und das Meer schweifen zu lassen.

Der Dornbusch ist der ideale Ort, um den Sonnenuntergang zu genießen. Bei guter Sicht empfiehlt sich der Aufstieg auf den 28 m hohen, durch den >Wetterfrosch< Jörg Kachelmann inzwischen bis in die Alpenrepublik bekannten Leuchtturm, der 1887/88 erbaut wurde: Der Blick reicht bis Stralsund und zur dänischen Insel Moen (Mai— Sept.tgl. 10.30-16, Fr auch 19-21 Uhr, im Winter laut Aushang). Für Vogelfreunde lohnt sich ein Besuch der wildromantischen Steilküste auch im Winter (mehrere Abstiege zum Ufer), dann nämlich sind hier die geflügelten Gäste aus dem Norden anzutreffen. Doch auch im Sommer ist eine interessante Vogelart zu beobachten, die Uferschwalbe, die ihre Brutplätze bis zu 80 cm tief in die Steilwand hineingräbt.

Auf der östlichen Seite des Dornbusch gelangt man zum Alten Bessin. Von hier aus bietet sich der Blick auf die Neulandbildungen des Neuen Bes-sin, der erst in den letzten 100 Jahren entstand. Besucher haben jedoch keinen Zutritt zu diesem Gebiet, es ist allein den Seevögeln – Schnepfen, Enten und Gänsen – Vorbehalten. So manche Küstenvogelarten finden nur noch hier eine Brutstätte (s. S. 22).

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