Hiddensee 3

Vitte

Hiddensee-Atlas: S. 232, B 2/3 Vitte, ca. 2 km südlich von Kloster gelegen, ist der größte der drei Orte und Verwaltungssitz der Insel. Der Name leitet sich von den Fischanlandeplät- zen, den Vitten, ab, die im 13./14. Jh. auf Rügen und Hiddensee entstanden. Gleich am Ortseingang stößt man, von Kloster kommend, auf das neu errichtete Nationalparkhaus mit dem abge- walmten Rohrdach. Es bietet umfassende Informationen über die Natur Hiddensees, Videos und naturkundliche Führungen (April-Okt. tgl. 10-16 Uhr, im Winter laut Aushang). Das alte Rathaus von Vitte wird als Haus des Gastes für Künstlertreffs und Veranstaltungen genutzt. In Strandnähe befindet sich eine flügellose Windmühle, die als Künstleratelier dient. Unüber-sehbar bei einem Gang durch den Ort ist die Blaue Scheune, das wohl beliebteste Fotomotiv Hiddensees. Sie wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh. erbaut und diente schon vor dem Zweiten Weltkrieg als Künstleratelier, u. a. für die jüdische Malerin Henni Lehmann. Ganz in der Nähe des Jachthafens stehen zwei phantasievoll gestaltete Villen. Das Haus mit der Aufschrift »Karusek war Sommerresidenz der dänischen Stummfilmdiva Asta Nielsen. Ebenso wie das Nachbarhaus mit dem schiefen Dach und zwei weitere Gebäude auf der Insel wurde es von dem Architekten Max Taut entworfen.

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Vitte von oben

Vom Vitter Fährhafen geht es über den gepflasterten Wiesenweg zum Naturschutzgebiet Dünenheide, das sich am besten zu Fuß erschließen lässt, allerdings nur in dem der Ostsee zugewandten Bereich; die Boddenseite sowie die Fährinsel stehen unter Naturschutz und dürfen nicht betreten werden. Vorwiegend sind hier drei Holzgewächsarten zu finden – Besenheide, Krähenbeere und Kriech weide – sowie Moos- und Flechtenarten. Darüber hinaus haben sich in den vom Wind geschaffenen Mulden auch seltenere Pflanzenarten angesiedelt: Rundblättriger Sonnentau, die Glockenheide mit ihren rosa Blüten (im Juni), hin und wieder Wacholder. In den Heidesümpfen gibt es sogar ein Fleisch fressendes Gewächs, den Übersehenen Wasserschlauch, der von Insekten lebt. Besonders vielfältig ist auch das Reich der Insekten und Schmetterlinge, darunter der seltene Große Eisvogel.

Zu Fuß sollte man durch die Heide streifen, jedoch nicht schuhlos: Der Bestand an Kreuzottern ist beträchtlich. Auch die Dünenheide erweist sich als Vogelparadies: für Brachpieper und Steinschmätzer ebenso wie für die Durchzügler Sumpfrohreule, Spornammer und Goldregenpfeifer.

Neuendorf und der Südzipfel

Hiddensee-Atlas: S. 232, A 3/4 Zum Schluss kann man noch den Sü- dern, den südlichen Bewohnern der schmalen Insel, einen Besuch abstatten. Etwa 6 km sind es von Vitte bis Neuendorf-Plogshagen, einem fast wegelosen Fischerdorf, das unter Denkmalschutz steht. Die Häuser, die wie willkürlich auf der Rasenfläche aufgestellt erscheinen, sind nach der Sonne ausgerichtet und stehen auf Dünenwällen, von den Einwohnern »Berge« genannt, die von Ost nach West verlaufen und bei Hochwasser einen gewissen Schutz bieten. Nach der Sturmflut von 1872 wurden die Häuser im traditionsgemäßen Stil wiedererrichtet.

Das südlichste Bauwerk der Insel ist der 10 m hohe Süder-Leuchtturm auf dem Gellen. Bereits 1306 durfte die Stadt Stralsund hier eine >Luchte< aufstellen, die vom Kloster unterhalten wurde. Der Mönch, der in der damals hier befindlichen Kirche amtierte, betrieb den Leuchtturm mit Holz und Teer. Das Gebiet südlich des Turms – Gellen und Gänsewerder – ist ein nicht zugängliches Vogelschutzgebiet.

Nach einer neuen Studie droht der Insel an dieser Stelle, der Grenze zum Nationalpark, ein Durchbruch. Man wird daher Sand aufspülen, und die Natur soll ihr Übriges tun: Wind und Wellen werden, so die Hoffnung, Sand vom Norden hierher transportieren und den Küstenbereich schützen.

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