Hiddensee

INSELERKUNDUNG

Die autofreie Insel ist ein beschaulicher >Rastplatz< für Zugvögel aller Art. Anziehungspunkt im Norden sind Kloster – mit Heimatmuseum und Inselkirche das kulturelle Zentrum – sowie der Dornbusch mit seiner wildromantischen Steilküste. Über Vitte gelangt man in den Süden zum natürlichen Kleinod Dünenheide.

Eine »freundliche Schöpfung«, dat söte Länneken oder »ein Stück deutscher Geistesgeschichte« – die Reihe der Ti-tulierungen für die kleine, lang gezogene, Rügen im Westen vorgelagerte Insel ließe sich noch weiter fortsetzen. Nicht minder umfangreich ist die Liste der Prominenten, die zu Beginn des 20. Jh. Hiddensee in eine wahre Intel- lektuellen-Kolonie verwandelten: von Bert Brecht über Gottfried Benn, Franz Kafka, Max und Käthe Kruse, Asta Nielsen und Henny Porten, Ernst Toller und Erich Mühsam bis zu Sigmund Freud, Albert Einstein und Billy Wilder und den Malern Conrad Felixmüller und Erich Heckei, allen voran aber Gerhart Hauptmann. Und fast niemand fand sich unter den zahlreichen Urlaubern, Dauergästen, Flüchtenden und Zugezogenen, der nicht ins Schwärmen geriet.

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Auch wenn mittlerweile die sommerlichen Tagestouristen die Insel überschwemmen, tritt abends und in der Nebensaison eine Ruhe ein, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist, genauso wie die zum Teil karge, dem Wind ausgesetzte Landschaft, die schwebende Atmosphäre und der eigentümliche Dialekt der Bewohner. Gerhart Hauptmann beschwor seinerzeit das Glück, das er auf der Insel empfand, mit den Worten: »Stille, stille, dass es nur ja kein Weltbad werde.« Ein Seebad ist Hiddensee zwar schon, und auch die Zahl der Unterkünfte ist in den letzten Jahren angewachsen, dennoch bietet die Insel, die mit 1800 bis 1900 Sonnenstunden im Jahr ausgesprochen begünstigt ist, noch immer ein gehöriges Maß an Beschaulichkeit für Zugvögel jeder Art. Kurpromenaden, Hallenbäder, lärmendes Nachtleben sowie alte oder neue Prunkarchitektur wird man vergeblich suchen, Liebhaber von Flora und Fauna hingegen werden hier immer noch ihr Paradies finden.

Der Name »Hedinsey« taucht bereits in der »Jüngeren Edda« und in der »His- torica Danica« des Saxo Grammaticus auf und bedeutet soviel wie »Insei des Hedin« (nordischer König). Das später unter dänischer Herrschaft offiziell gebräuchliche »Hedins-Oe« wurde vermutlich zu Hiddensee eingeschliffen. Vielleicht nannte man die Insel aber auch zunächst Hiddensöe (schwedisch: Hidda = Hütte), weil aus Mangel an Bauholz nur Hütten aus Rasentorf errichtet werden konnten.

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