VON JASMUND ZUR HALBINSEL WITTOW 3

Flächendenkmal Kap Arkona

Das Flächendenkmal Kap Arkona ist für Autos weiträumig gesperrt. Vom großen Parkplatz in Putgarden kann man die verschiedenen Orte zu Fuß, mit der Kutsche oder der Arkona-Bahn erreichen oder sich ein Fahrrad auslei- hen.

Vitt

Rügen-Atlas: S. 233, E 1 Das Bilderbuchdorf Vitt, von Putgarden ca. 2,5 km entfernt, gehörte zu DDR- Zeiten zu den exklusivsten Urlaubszielen, wird inzwischen aber von wahren Touristenströmen heimgesucht. Doch die Bewohner des kleinen Ortes begegnen dem Spektakel mit bewundernswerter Gelassenheit. Das geschützt liegende Dorf mit den 13 dicht nebeneinander stehenden, rohrgedeckten Katenhäusern vermittelt einen Eindruck von den einst auf Wit- tow vorhandenen Fischanlandungs- und Verarbeitungsplätzen, die in den so genannten >Lieten<, den ausgespülten Schluchten der Hochufer, entstanden. Fremde Händler erwarben das Nutzungsprivileg für diese Plätze, wo der Fisch gesalzen, verpackt und abtransportiert wurde, durch Salz- oder Geldabgaben. Die Vitter besaßen sogar eine eigene Rechtsbarkeit. Noch heute wird unten am Hafen in der Saison in großen Öfen Fisch geräuchert, den man unbedingt probieren sollte.

vitt-ruegen

Nach einem Rundgang durch den von der UNESCO als schutzwürdig klassifzierten Ort gelangt man durch eine Art Hohlweg hinauf zur Vitter Ka-pelle, die Gotthard Ludwig Kosegarten Anfang des 19. Jh. erbauen ließ. Es hatten sich nämlich »Uferpredigten- eingebürgert, die immer dann abgehalten wurden, sobald »der Hering sich spüren lasse, was denn gemeiniglich zu Ende August oder Anfang September der Fall ist«. Ab diesem Datum warteten die Bauern, die jeweils zur Fischfangsaison hierher kamen, ständig darauf, dass das Wasser sich dunkel färbte – ein sicheres Zeichen dafür, dass ein Heringsschwarm vorbeizog. Folglich konnten sie es sich nicht leisten, zum Gottesdienst in das 8 km entfernte Altenkirchen zu gehen.

Den Uferpredigten Kosegartens, meist Lobeshymnen auf die Schönheiten der Landschaft und vor allem durch seine Dichtung »Jucunde« weit über Rügen hinaus bekannt, wohnte regelmäßig ein »Utkieker- bei, der mit dem Ausruf »De Hiering kümmt!« den Pfarrer unterbrach. Daraufhin eilten die Männer der Gemeinde zu ihren Booten. Bei Nebel oder Sturm fand der Gottesdienst in einer Hütte am Ufer statt, und als diese baufällig wurde, fasste Kosegarten 1802 den Plan zum Bau einer Kapelle – zu einem Zeitpunkt allerdings, als »der Hering sich schon weggewöhnt hat von diesen Ufern«.

1805/06 lieferte Caspar David Friedrich einen Entwurf, der einen ovalen Bau mit einem ebensolchen vorgelagerten Platz für die Predigten im Freien vorsah. Mehrere Baumreihen hätten mit der Zeit das Gelände überwachsen und eine Art Waldkirche geschaffen. Stattdessen wurde aber Ende 1806 der achteckige Zentralbau begonnen, den wir heute vor uns sehen. Das Innere ist schlicht, die Akustik bei günstigen Wetterverhältnissen jedoch erstaunlich gut. Bereits zu Beginn der Arbeiten erteilte Kosegarten dem Maler Philipp Otto Runge den Auftrag für ein Gemälde mit dem Motiv »Petrus’ Wandel auf dem Meer«. Das Werk hinter dem Altar ist allerdings nur eine Kopie des Originals, das in der Hamburger Kunsthalle hängt. Beim Fresko an der Wand der Eingangstür handelt es sich um ein Werk des Italieners Gabriele Mucchi, »Menschen im Sturm«, das allerdings den Spott der Rüganer geerntet hat, da es ihrer Ansicht nach einige Fehler in der naiv-realistischen Darstellung aufweise.

Vor der Kapelle gelangt man über eine kleine Anhöhe hinauf zu einem befestigten Rad- und Fußweg, der weiter Richtung Norden führt. Schon bald er-reicht man die Reste der Jaromars- burg, dem einstigen Heiligtum der Ranen (s. S. 198). An dieser Stelle wurde 1168 das hölzerne Standbild des Gottes Swantevit von den Dänen in Stücke gehackt und verbrannt. Da Swantevit die Angreifer nicht bestrafte, ergaben sich die Burgbewohner; heute ist nur mehr ein Teil des 8-10 m hohen Schutzwalls zu sehen.

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